Schmerzensgeld – werden Vorschädigungen berücksichtigt?

Schmerzensgeld – werden Vorschädigungen berücksichtigt?

Kommt es zu einem Verkehrsunfall im Straßenverkehr, der nicht nur zur Folge hatte, dass der Pkw beschädigt wurde, sondern dass auch ein sog. Personenschaden eingetreten ist, kann es kompliziert werden. Die Versicherung, die den Schaden entsprechend zu regulieren hat, wird ganz genau hinschauen und die Höhe eines möglichen Schmerzensgeldes von vielen Faktoren abhängig machen.

Ausgangspunkt für die Bemessung des Schmerzensgelds nach einem Verkehrsunfall sind natürlich immer die erlittenen Verletzungen, wobei natürlich auch deren Ausmaß, Dauer und die konkreten Folgen zu berücksichtigen sind.

Folgende Punkte werden von der Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung kritisch abgefragt bzw. werden näher beleuchtet:

  • Welche Verletzungen sind tatsächlich eingetreten?
  • Wie lange dauerte die Genesung bzw. wie lange bestand eine mögliche Arbeitsunfähigkeit?
  • Welche medizinischen Behandlungen wurden durchgeführt?
  • Sind alle Verletzungen auf den Unfall zurückzuführen oder gab es Vorschäden, die nicht mit dem Verkehrsunfall zu tun haben?
  • usw.

Die Höhe des Schmerzensgeldes ist grundsätzlich im Wege der Billigkeit festzusetzen, wobei angesichts der Ausgleichs- und Genugtuungsfunktion des Schmerzensgelds auch Umstände zu beachten sind, die ohne Einfluss auf die Unfallfolgen sind.

Das Oberlandesgericht Hamm hat jüngst mit Hinweisbeschluss vom 15.03.2018, Az. 7 U 4/18 festgehalten, dass im Rahmen der Bemessung eines Schmerzensgeldes sowohl für die Ausgleichsfunktion als auch in besonderem Maße für die Genugtuungsfunktion des Schmerzensgelds der Grad der Verursachung von Bedeutung ist mit welchem die schädigende Handlung zu den bereits vorliegenden Leiden des Verletzten beigetragen haben. Das OLG Hamm führte weiter aus, dass wenn die Gesundheitsbeeinträchtigung Auswirkungen einer Schadensanfälligkeit sind, es durchaus geboten sein kann, diese in die Billigkeitsentscheidung miteinzubeziehen; inwieweit sind die körperlichen Beschwerden des Verletzten einerseits durch den Unfall und andererseits durch die vorher vorhandenen Erkrankungen verursacht worden.

Natürlich hat die Versicherung immer den Einzelfall abzuwägen. Es sind immer die besonderen Umstände des jeweiligen Verkehrsunfalls, der Verletzungen und des Geschädigten zu würdigen. Es lässt sich jedoch festhalten, dass es sich insbesondere beim Vorliegen eines Personenschadens nach einem Verkehrsunfall empfiehlt, sich anwaltliche Unterstützung bei der Bemessung des Schmerzensgeldes zu holen.

Sollten Sie eine derartige Situation geraten, denn nehmen Sie bitte schnellst möglich mit uns Kontakt auf, so dass wir Sie rechtlich begleiten können.